Hannomag Brillant 600 läuft nicht

  • Hallo zusammen,
    ich bin neu hier im Forum, weil ich einen Hannomag Brillant 600 von 1966 von meinem Vater übernommen habe. Der Schlepper steht seit 10 Jahren trocken in der Scheune und ist seit dem nicht mehr gelaufen. Vorher ist er tadellos gelaufen. Ich habe die Tage versucht ihn anzuschleppen, er springt aber nicht an. Er raucht dabei ein bisschen (weißer Rauch). Daraufhin habe ich die Dieselleitungen geprüft. Der Diesel kommt bis zur Dieselpumpe. Den kleinen Filter an der Handpumpe an der Dieselpumpe habe ich sauber gemacht und nochmal geschleppt. Er ging leider immer noch nicht an.


    Dann habe ich die Leitungen von der Pumpe zur Einspritzdüse abgenommen und nochmal kurz geschleppt. Dabei konnte ich sehen, dass aus einer der Öffnungen an der Dieselpumpe der Diesel ausgespritzt wurde. Aus den anderen dreien kam nichts raus. Woran kann das liegen und was kann ich hier machen?


    Ich habe außerdem versucht Diesel mit der Handpumpe zu pumpen. Das kann ich machen bis ich schwarz werde ohne dass sich was ändert. Die Handpumpe hat auch kau Wiederstand. Ist das normal?


    Danke vorab.
    Gruß
    Mathias

  • Hallo Mathias,


    was soll das Anschleppen?
    Mit dem Anschleppen quälst du das Material ganz gewaltig. Und entlüftet kriegst du einen Motor damit auch nicht.


    Besorg dir eine Batterie und entlüfte mit deren Hilfe noch einmal vernünftig.
    Was bei dir "kaum Widerstand" in der Handpumpe bedeutet, ist leider schwer zu sagen.


    MfG
    Fabian

  • Hallo Mathias,


    meiner Meinung nach quält man mit Anschleppen das Material nicht mehr, als wenn man mit einer "frischen Batterie"
    den Motor minutenlang ohne ausreichenden Öldruck / Schmierung und ohne Diesel in der Kraftstoffanlage drehen lässt.
    Da läuft mehr und länger "Eisen auf Eisen", als wenn Du anschleppst.
    Durch die höhere Drehzahl steht ja im Motor dann bereits Öldruck an, auch wenn der Motor noch nicht selber läuft.


    Bei dem Granit 500 von einem Kumpel hatten wir mal das gleiche Problem, der lief nur, wenn man ihn anschleppte.
    Und dazu mussten wir den auch erst mal 5 Min durch den Wald ziehen, bis er Lebenszeichen von sich gab.


    Später ist er dann per Anlasser trotzdem nicht angesprungen. Ich habe das nicht mehr aktiv weiter verfolgt, meine aber,
    dass da etwas mit der ESP nicht in Ordnung war.


    Bei solchen "Anschlepp-Aktionen" auf jeden Fall immer einen passenden Ringschlüssel parat haben, um notfalls die Überwurfmuttern
    der Einspritzleitungen zu lösen - man kann nie wissen ....


    Gruß, F20GH.

    Fendt 108SA 1975; Fendt Fix 2 1961; Fendt F20GH 1952; Fendt F15G6 1955; Fahr D90H 1956

  • Hallo zusammen,
    danke erstmal für die Antworten. Ich habe mich anscheinend etwas unklar ausgedrückt. Mit "Anschleppen" meinte ich nicht dass der Schlepper angeht, sondern nur dass ich es versucht habe. Mein Problem ist, dass ich den Trekker überhaupt nicht anbekomme. Das liegt vermutlich daran, dass die Einspritzpumpe nur aus einer der Leitungen spritzt (nur ein Zylinder wird mit Diesel versorgt) obwohl an der Pumpe selber der Diesel ankommt. Woran kann das liegen?

  • Hallo Mattes,


    das kann viele Ursachen haben, warum der nicht anspringt.
    Angefangen von überaltertem Kraftstoff, verstelltem Förder- oder Einspritzzeitpunkt der ESP, festsitzenden Pumpenelementen, etc.
    Druckventil in der Pumpe kann auch defekt sein ....
    Ich würde erstmal den Kraftstoff komplett erneuern, vorher System reinigen und Filter ersetzen.
    Dann Förderbeginn prüfen und einstellen ... un mich so immer weiter vorarbeiten - quasi vom Einfachen zum Schwereren.


    Gruß, F20GH.

    Fendt 108SA 1975; Fendt Fix 2 1961; Fendt F20GH 1952; Fendt F15G6 1955; Fahr D90H 1956

  • Zitat von F20GH

    Hallo Mathias,


    meiner Meinung nach quält man mit Anschleppen das Material nicht mehr, als wenn man mit einer "frischen Batterie"
    den Motor minutenlang ohne ausreichenden Öldruck / Schmierung und ohne Diesel in der Kraftstoffanlage drehen lässt.
    Da läuft mehr und länger "Eisen auf Eisen", als wenn Du anschleppst.
    Durch die höhere Drehzahl steht ja im Motor dann bereits Öldruck an, auch wenn der Motor noch nicht selber läuft.


    Da die Ölpumpe im Motor mitdreht, gibts bei halbwegs brauchbarer Pumpe auch Öldruck bereits bei Anlasserdrehzahl. Da der Motor dann ja noch nicht zündet, sind die Belastungen in der Regel niedriger.


    Wie schön, lange und gleichmäßig dreht denn ein Schleppermotor sanft beim Anschleppen, der nicht starten will?
    In der Regel wird doch mit springender Kupplung und rutschenden Rädern schlagartig versucht, den stehenden Motor zum Drehen zu kriegen.


    Gerade zum Entlüften taugt das Anschleppen doch besonders wenig, da die entsprechenden Stellen im Dieselsystem nicht "in Echtzeit" überwacht werden können. Wenn irgendwo beim Entlüften mittels Anlasser zuverlässig blasenfrei Diesel austritt, ist die Stelle entlüftet. Beim Schleppen gurkt man ein paar mal um den Hof, saut alles mit Diesel voll und weiß hinterher immer noch nicht ob das nun blasenfrei war oder nicht.


    Deswegen noch einmal planvoll und in Ruhe alles entlüften. Die Einspritzpumpenelemente mal auf Gängigkeit überprüfen, und dann die weiteren Punkte abarbeiten.


    mfG
    Fabian

  • Der Schlepper lässt sich sehr gleichmäßig und ruhig schleppen. Sobald eingekuppelt ist laufen die Räder mit und blockieren nicht. Die Kupplung rutscht auch nicht und der Schlepper hüpft auch nicht rum.


    Ich werde am Wochenende mal den Diesel ersetzen und schauen, ob ich ihn mittels Handpumpe entlüftet bekomme. Aber wie gesagt.
    1. Habe ich das Gefühl, dass die Handpumpe nicht funktioniert
    2. An der Pumpe kommt der Diesel an aber er kommt nicht oben raus. -> Irgendwas in der Pumpe stimmt glaube ich nicht


    Wie prüfe ich den Förderbeginn der Pumpe und stelle ihn ein?
    Was genau sind die Einspritzpumpenelemente?


    VG
    Mathias

  • Zitat

    Wie prüfe ich den Förderbeginn der Pumpe und stelle ihn ein?
    Was genau sind die Einspritzpumpenelemente?


    Hallo Mathias,


    wenn Du so fragst, dann brauchst Du fachmännische Hilfe und begibst Dich besser nicht selber dran!
    Such Dir jemanden, der dich fachkundig unterstützt.
    Das ist keinesfalls "böse" gemeint, aber ich denke, an dieser Stelle sollte dann doch jemand ran,
    der Ahnung von der Materie hat.


    Gruß, F20GH.

    Fendt 108SA 1975; Fendt Fix 2 1961; Fendt F20GH 1952; Fendt F15G6 1955; Fahr D90H 1956

  • Hallo,
    wenn der Schlepper vor dem letzten Stillstand ordnungsgemäß gelaufen ist, denke ich nicht, dass sich der Förderbeginn verstellt hat. Ich vermute den Fehler bei der Einspritzpumpe. Bevor du weiter Schlepp oder andere Anlassversuche unternimmst, bring die Pumpe bitte zum Überholen. Das wird nicht billig, hilft aber auch sonst nix. Such dir einen fachkundigen ESP-Dienst oder lass es über einen Landmaschinenbetrieb laufe. Dann hast du auch "Garantie".
    Gruß Andreas

  • Guten Abend zusammen,
    danke nochmal für eure Hinweise.


    Ich bin zwar kein Motorenexperte, bin aber technisch nicht ganz ungeschickt. Bevor ich mich aber in Bereiche wage in denen ich größeren Schaden anrichten kann, würde ich den Trekker dann doch in die Werkstatt bringen. So weit bin ich aber noch nicht und schreibe deswegen auch hier.


    Also ich habe mich heute nochmal dran gesetzt. Ich habe festgestellt, dass die Handpumpe an der ESP kaputt war. Diese habe ich getauscht und jetzt kann ich immerhin Diesel Pumpen.


    Dann habe ich noch einen zweiten Fehler feststellen können. Oben an der Pumpe werden die vier Zuleitungen zum Motor an jeweils einer Art Düse befestigt. Unter den Düsen sitzt für jede Leitung eine Art Schwimmer oder ein Ventil. Drei von vier Schwimmern saßen fest. Nachdem ich diese gelöst habe kommt nun beim Pumpen mit der Handpumpe blasenfrei Diesel oben an der Pumpe an, aber nur solange die Düsen nicht montiert sind. In diesen Düsen sitzen Federn. Wenn ich die Düsen montiere drücken die Federn auf die Schwimer. Ich nehme an, dass der Druck der Handpumpe nicht ausreicht, um die Federkraft zu überwinden. Daher kommt bei montierten Düsen kein Diesel oben aus der Pumpe. Ist das normal?


    Leider springt der Trekker trotz dieser beiden Fehler nicht an, obwohl ich mir relativ sicher bin, dass er jetzt mit Diesel versorgt wird. Habt ihr noch weitere Ideen, wie ich den Fehler eingrenzen kann oder was es sein kann?


    @ Admin: Sorry für den Eintrag in der falschen Kategoerie. Ich merke es mir für die Zukunft.


    Danke vorab.


    Viele Grüße


    Mathias

  • Moin moin,


    guck dir mal diese Schautafel an:
    http://www.oldtimerclub-kneseb…/Bosch-Einspritzpumpe.jpg


    Oben auf der Pumpe sind Rückschlagventile, die natürlich funktionieren sollten.
    Aber mit der Handpumpe darfst du es nicht schaffen, dass bei diesen Rückschlagventilen Sprit heran gepumpt wird. Denn dazwischen sitzen, unterhalb der Rückschlagventile, die eigentlichen Pumpenkolben. Die sorgen für den kräftigen Druck zum Einspritzen. Wenn du an ihnen Diesel vorbei gepumpt kriegst, ist was ganz gehörig faul und die Pumpe braucht fachkundige Hände für eine (teure) Generalüberholung.


    Diese Kolben rosten gerade nach längerer Standzeit und Wasser im Diesel in Einzelfällen auch mal fest. Mit etwas Glück kriegt man sie los, indem man die mit Schlitzschrauben befestigte Seitenplatte abnimmt und vorsichtig unter die Kolbenfahne mit einem Schraubendreher hebelt. Aber wirklich nur vorsichtig, als Laie kann man da auch teure Schäden verursachen.


    mfG
    Fabian

  • Hallo
    Du meinst oben wo die Dieselleitungen (die zu den Einspritzdüsen gehen) angeschraubt sind?
    Darunter befinden sich die jeweiligen Pumpenelemente, glaube kaum daß da oben Diesel kommt solange der Motor nicht dreht und die Pumpelemete der ESP nicht betätigt.


    Gruß Andreas

  • Hallo,
    danke für eure Antworten. Das Schaubild ist wirklich interessant!


    Ich hatte zwar bisher keine Zeit mich wieder an dem Trecker zu versuchen, aber mir ist noch was aufgefallen, was möglicherweise ein Problem sein könnte. Eine Leitung am Zylinderkopf am dritten Zylinder (von der Fahrerkabine aus gesehen) ist abgerissen. Ist die Leitung nur zum Vorglühen oder könnte das die Ursache für den Fehler sein?


    Bezüglich der Pumpe werde ich mal Videos machen. Möglicherweise hilft das weiter.


    Gruß
    Mathias

  • Moin moin,


    da ist das Gewinde von der Glühkerze abgebrochen und die entsprechende Kerze glüht somit nicht...
    Da die Kerzen allesamt in Reihe geschaltet sind, könnte es sein dass der Stromfluss insgesamt unterbrochen ist, da die beiden Drahtbrücken keinen ausreichenden Kontakt mehr zueinander haben. Normalerweise werden sie durch die Rändelmutter auf den Kernzenkörper gezogen, hier fehlt nun der Kerzenkörper als Gegenhalt.


    Das heißt du kannst nicht vernünftig oder gar nicht vorglühen. Eleganterweise wechselt man alle vier Kerzen, hier reicht es für den ersten Versuch erstmal mit der Defekten. Zumal der Ausbau der alten Kerzen auch bei warmem Motor besser geht, also wenn er dann mal gelaufen hat.


    MfG
    Fabian

  • Ganz recht...Es hilft ja auch nichts hier zu spekulieren, ob das der alleinige Grund ist oder weiteres mit die Ursache ist. Da die Kerze wohl eh neu muss, kannst hier nach und nach dem Problem auf den Grund gehen...


    Mathias: auch wenn Hanomag in Hannover gebaut wurde... gibt's nur ein "n" im Firmennamen ;)

  • Naja,
    die ersten beiden Kerzen sollten schon Glühen, denn die Masse holen sie ja über den Motorblock. Trotzdem, hol dir wenn nicht Hilfe von einem sachkundigen Menschen. Vlt kennst du ja einen Landmaschinenmchaniker, der mal so freundlich ist und sich die Sache anschaut.
    Gruß Andreas

  • Ähhm Andreas,
    verschaff dir bitte noch mal Sachkunde über die Reihenschaltung von Glühkerzen. Dabei handelt es sich um zweipolige Kerzen mit einer Masseauflage am Ende der Reihe:
    https://www.oskarsellschopp.de/Technik/Elektrik/tages.html


    Damit werden auch die ersten beiden Kerzen nicht glühen.


    Es sei denn, da wurde ein kleiner Trick angewendet, nach dem es mir hier sehr stark aussieht:
    Die durch eine Sechskantmutter ersetzte Rändelmutter spricht stark dafür. Die beiden Drähte zu der nun nichtmehr verbundenen Glühkerze wurden mittels einer kleinen Schraube zusammen gespannt, um weiterhin Strom leiten zu können.
    Dies wird wohl geschehen sein, weil die getrennte Kerze defekt war/ist. Um nun die Reihenschaltung kurzfristig für einen letzten Start bis zur Instandsetzung wieder herzustellen, wurde sie auf die geschilderte Art und Weise überbrückt. Dadurch kriegen die verbliebenen Kerzen eine deutlich höhere Spannung ab, was sie nicht lange mitmachen. Vermutlich wurde es hier dann doch nicht als kurzfristige Lösung genutzt und nun ist mindestens eine weitere Glühkerze über den Jordan...


    Hast du bei den bisherigen Startversuchen überhaupt versucht vorzuglühen? Oder dich jemals um die Vorglühanlage gekümmert?
    Bring die Vorglühanlage in Ordnung und der Motor wird dich anspringen wie ein junger Hund!


    Dabei musst du auch drauf achten, dass die Verbindungsdrähte zwischen den Glühkerzen nicht gegen andere Motorenbauteile stoßen, auf dem Foto sieht das an zwei Stellen eng aus mit der Leitung links von der überbrückten Glühkerze.


    MfG
    Fabian

  • Hmmm.... ok dann habe ich das wohl falsch gesehen. Für mich war das Vorglühen eine Hilfe zum Start, aber nicht notwendig. Traktor soll ohnehin verkauft werden, daher möchte ich nicht übermäßig viel Arbeit reinstecken. Aber dann schaue ich mal, ob ich mit einem Tausch der Glühkerzen weiterkomme. Weiß jemand ob die Kerzen von einem R435 passen? Hab noch einen rumstehen als Ersatzteilspender.