Einsteiger braucht Rat

  • Hallo zusammen!


    Wir möchten uns einen älteren Schlepper zulegen - doch da ohne landwirtschaftlichen Hintergrund - sind wir völlig ahnungslos. Ich habe mich in den letzten Wochen schon ein wenig im Netz in das Thema eingelesen, bin aber eher verwirrter als klarer geworden.
    Vielleicht werden wir ja hier etwas schlauer.
    Zu unserer Situation: Wir haben 1,5ha Streuobstwiesen, z.T. etwas schwierigeres Gelände mit Hanglage. Die Wiesen sollen gelegentlich (nur gelegentlich, da wir Schafe haben) saubergemäht werden. Kein Heu machen etc.. Zudem machen wir jedes Jahr eine kleine Menge Holz (5-10FM). Es wäre natürlich wünschenswert wenn der Schlepper in der Lage wäre einen Spalter anzutreiben. Kein Muß. Dritter und vielleicht wichtigster Einsatzzweck: Aus Spaß an der Freude kleine Spritztouren mit dem Junior.*
    Mir ist absolut nicht klar, was für "Anschlüsse" es gibt: Zapfwelle, Hydraulik, Dreipunkthydraulik....oder meint gar alles dasselbe? Ihr seht: völlige Ahnungslosigkeit. Vielleicht wäre einer so nett mich da aufzuklären.
    Welche Schlepper würdet ihr empfehlen? Ich war zuletzt bei der Deutz D Reihe hängen geblieben, da sie ja doch recht häufig sind und somit Ersatzteile vermutlich nicht das größte Problem sind.
    Unser Budget: <4000€.


    Vielen Dank vorab für Eure Hilfe,
    DerDrohn

  • Hallo DerDrohn,


    also mit einem Deutz aus der D-Baureihe liegst Du gar nicht so falsch, klar gibt es auch andere, aber die Maschinen sind schon absolut okay.


    Zur Begrifflichkeit der Anschlüsse:
    - Zapfwelle ist der Stummel, der hinten aus dem Getriebe rauskommt und eine Gelenkwelle antreiben kann
    - Hydraulik: so wird fälschlicherweise landläufig das Heckhubwerk bezeichnet.
    - Dreipunkthydraulik: ist ein weiteres Wort für das Heckhubwerk, jedenfalls besser als "nur" Hydraulik


    Jetzt zum eigentlichen Problem: Euer Budget. Für 4000 bekommst Du heute nicht mehr ganz viel.
    Wenn wir vom doppelten Budget reden, dann bekommst Du etwas, was man nicht unbedingt sofort einer großen Revision unterziehen muss,
    aber es wird vermutlich dennoch eine aufgebrauchte 50 Jahre alte Arbeitsmaschine sein und bleiben.


    Bedeutet der Hinweis aus "schwieriges Gelände", dass Du einen Allradschlepper suchst? Dann solltest Du Dein
    Budget mehr als verdoppeln.


    Gruß, F20GH.

    Fendt 108SA 1975; Fendt Fix 2 1961; Fendt F20GH 1952; Fendt F15G6 1955; Fahr D90H 1956

  • Hallo,
    wenn der Schlepper zum Arbeiten eingesetzt werden soll, ist eine Hydraulik erforderlich. Die Hydraulik ist ein Ölkreislauf, der mit Hilfe einer Pumpe Druck erzeugt und auf diese Art und Weise Geräte an der Dreipunkthydraulik am Heck heben (bei doppelwirkenden Steuergeräten auch drücken) kann. Zudem lassen sich Kippanhänger heben und senken oder auch Mähwerke. Wenn du einen Spalter benutzen möchtest, brauchst du die Heckhydraulik (Dreipunkt) zum Transport des Spalters und die Zapfwelle zum Antrieb. Es gibt auch hydraulisch angetriebene Spalter, die benötigen allerdings ein großes Ölvolumen und eine hohe Durchflussmenge, was Schlepper der 50er gar nicht haben und Schlepper der 60er nur wenige.
    Preislich denke ich sollte es bei 4000 für einen vernünftigen D25 schon reichen, der ist dann nicht Note 1, sollte aber funktionieren. Recht günstig sind die John Deere, da wäre z.B. der 920, 1020 oder 1120. Die sollte man für das Budget bekommen.
    Gruß Andreas

  • Wenn Du einen Spalter antreiben willst, wirst Du gern einen Schlepper bevorzugen, der die Abgase nicht in dessen Richtung pustet. Überrollbügel (bei "schwierigem" Gelände auf jeden Fall empfehlenswert) und erst recht Hochauspüffe passen nicht in PKW-Normgaragen.


    Gruß
    Michael

    "'And all those exclamation marks, you notice? Five? A sure sign of
    someone who wears his underpants on his head.'"
    (Terry Pratchett in "Maskerade")

  • Hallo zusammen,


    besten Dank für die klärenden Antworten auf diese Einsteigerfragen!!!
    Also: Die Sache mit dem Spalter ist kein Muss, wäre nur wünschenswert. Primär gehts um sauber Mähen und "Spaß haben". Wie verhält es sich denn mit den Mähbalken die man an manch alten Schleppern steht? Bräuchte es dafür einen speziellen Anschluss auf den es zu achten gilt?


    Nochmal zum Thema Hydraulik: Es gibt also nur "die Hydraulik". Nicht zig verschiedene Systeme, die möglicherweise nicht kompatibel sind?
    Schwieriges Gelände meint, dass es keine ebene Wiese ist, sondern zum Teil Hanglage hat.
    Garage ist kein Thema, da Scheune vorhanden.


    Hier im Ort wurden mir zwei Geräte angeboten: Ein Deutz D40 (für 3000€) und ein alter Fahr aus den 50ern (für 2500€). Letzterer aber eben ohne Hydraulik.


    VG
    DerDrohn

  • Nochmal zum Thema "schwieriges" Gelände:
    Ich wohne auch in "Hanglage" und brauche selbst bei trockenem Wetter nicht überall ohne Allrad hinzufahren - höchstens hangabwärts - dann aber nur wenn´s trocken ist.
    Oder Wasser in der Hinterreifen - bringt schon etwas, aber immer noch mit einer Allrad-Maschine nicht zu vergleichen.


    Von einem Schlepper mit Mähbalken würde ich Dir auch abraten. Selbst wenn der gut eingestellt ist und die Messer scharf sind ist das nichts im
    Vergleich zu einem gleichstarken Schlepper mit Kreiselmäher.


    Mit nicht-kompatiblen Hydrauliksystemen wirst Du wahrscheinlich keine Probleme bekommen - Du sprichst von der Dreipunkt-Hydraulik, oder?
    Die ist in Kategorien unterteilt, je nach Leistungsklasse, Anschluss-Dimensionen sind genormt.


    Gruß, F20GH.

    Fendt 108SA 1975; Fendt Fix 2 1961; Fendt F20GH 1952; Fendt F15G6 1955; Fahr D90H 1956

  • Hallo


    Nun außer den technischen Punkten ist auch auf den richtigen Führerschein zu achten denn bei einem schwarzem Kennzeichen ist bei Klasse B bei 3500 Kg GG die Grenze erreicht mit dem alten 3er gehen bis 7500 KG.
    Auch eine Anhänger erfordert bei Klasse B eine Zusatzausbildung.


    m.f.G.Harald

  • Zum Thema Führerschein: Meines Wissens nach ist Klasse L (Landwirtschaftliche Zugfahrzeuge bis 40km/h) in der Klasse B integriert und unabhängig vom Gewicht.


    Nachtrag zu dem Fahr. Es handelt sich um einen Fahr D88 mit zuschaltbarem Zapfwellenantrieb aber ohne Hydraulik. Das Teil stammt von einem Sammler/Liebhaber, neu lackiert, sehr gepflegt. Er möchte 2500€ dafür.
    Der D40 ist das Gegenteil: Sieht ordentlich benutzt aus und muckt wohl beim Starten immer mal. H-Kennzeichen hat keiner der beiden. TÜV hat der Fahr.
    Aber es muss ja nicht einer der beiden sein, diese sind nur aktuell greifbar.


    VG

  • Hallo,


    aber bitte nimm dir zum Kauf jemand mit Sachverstand mit! Es werden leider zu viele Schrottkisten angeboten, meist schön mit Farbge aufgehübscht. Da ist es dann wurscht, ob Deutz oder sonst was, wenn die Maschine total ausgelutscht ist!


    Viel Glück beim Kauf!


    Grüße Markus

  • Traktoren zu diesem Preis sind nicht restauriert! Wenn Du nicht selber schrauben kannst (Werkzeug in Übergrößen, Platz etc.) und keine Ahnung hast, gilt immer noch, wie schon zuvor genannt, das doppelte Deiner ursprünglichen Preisvorstellung. Und geh auf ein Massenprodukt mit guter Ersatzteilversorgung.


    H-Kennzeichen in dieser Gewichtsklasse ist totaler Unsinn. Bitte informiere Dich vorher bei Deiner Versicherung, was da auf Dich zukommt. Wenn Du damit arbeiten willst, brauchst Du einen anderen Tarif als mit einem Spaßfahroldtimer.


    Gruß
    Michael

    "'And all those exclamation marks, you notice? Five? A sure sign of
    someone who wears his underpants on his head.'"
    (Terry Pratchett in "Maskerade")

  • Hallo,


    An deiner Stelle würde ich mich nicht so auf die 2 die angeboten sind fixieren. Was für diesen Einsatzzweck auf jeden Fall ein Vorteil ist wenn es ein Traktor wird der oft und lange gebaut wurde und mit guter Ersatzteillage. 06er Deutz liegen in diesem Segment, aber z.b. auch MF Traktoren mit Perkinsmotoren (diese Motoren sind sehr zuverlässig und haben eine gute Ersatzteilversorgung mit relativ günstigen Teilen). Ein Traktor ab den 70er Jahren würde den Vorteil bieten dass er technisch meist besser ausgestattet ist als die 50er und 60er Jahre Maschinen, z.B. mit unabhängiger Zapfwellenkupplung anstelle einer Doppelkupplung übers Pedal und mit synchronisierten Getrieben. Motoren bekamen damals langsam die Direkteinspritzung, laufen daher mit kürzerem Vorglühen an (manche Modelle benötigen gar kein Vorglühen oder haben auch gar nicht erst Glühkerzen). Außerdem hatten die 70er Jahre Traktoren meist Überrollbügel ab Werk.


    Nimm dir Zeit, es wird immer mal was Gutes angeboten. Eile und Zeitdruck sind beim Fahrzeugkauf generell eine schlechte Wahl.

    Viele Grüße


    Simon



    Deutz D 4006, DX 3.50 A StarCab, Clark CGP 30 H, Manitou MC 25

  • Hallo


    Zitat von derdrohn

    Zum Thema Führerschein: Meines Wissens nach ist Klasse L (Landwirtschaftliche Zugfahrzeuge bis 40km/h) in der Klasse B integriert und unabhängig vom Gewicht.


    VG


    Hast du Landwirtschaft ???


    Wenn nicht ist Kl. L für dich nicht gültig :oops: sondern die 3,5 to bzw 7,5 to Regelung :roll::roll::roll:

    Gruß Ralf


    gelernter MF Schrauber :-)
    _________________________________________________________________


    F15 G teilrestauriert
    und FE 35 mit Standard 23C Motor (Technische Instandsetzung läuft)
    PS wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten

  • Hallo,


    Er schreibt immerhin dass er 1,5 HA Streuobstwiesen hat. Die dadurch erzielten Einnahmen (bei Verkauf des Obstes zur Saftherstellung) müssten normalerweise ausreichen für ein grünes Kennzeichen. Ansonsten (bei schwarzem Kennzeichen) würden Schlepper um die 35 PS noch unter 3,5 t ZGG liegen, das einzige Problem wären dann zu große Anhänger. Ein noch relativ günstiger BE würde da aber schon viel möglich machen.

    Viele Grüße


    Simon



    Deutz D 4006, DX 3.50 A StarCab, Clark CGP 30 H, Manitou MC 25

  • Hallo,


    Eine H-Zulassung würde auch nichts bringen. Mein 35 PS Schlepper würde wenn er schwarz angemeldet wäre etwa 170 Euro KFZ-Steuer im Jahr kosten. Der Steuersatz für H liegt bei 191,73, also darüber. Der 4006 (35 PS) liegt vom ZGG dabei schon nahe an der 3,5 t Grenze.

    Viele Grüße


    Simon



    Deutz D 4006, DX 3.50 A StarCab, Clark CGP 30 H, Manitou MC 25

  • Zitat von andreasw

    Mit H-Zulassung oder Oldtimer Versicherung darfst du nicht mal ne Kiste Bier mitnehmen!


    Nein! Du darfst mit H-Zulassung sogar gewerblich fahren, wenn das mit dem Gewerbe in Einklang zu bringen ist.
    Es gibt im Norden irgendwo eine Möbelspedition die mit H fährt. H ist auch nicht 07 oder grün.


    Bei H darf die Kiste Bier immer mit.


    Undabhängig davon hab ich schon auf der vorigen Seite geschrieben, dass H für den TE Unsinn ist.


    Versicherung ist individuell nach Vertrag und unabhängig von der Versteuerung. Hier gibt es viele individuelle Möglichkeiten.


    Gruß
    Michael

    "'And all those exclamation marks, you notice? Five? A sure sign of
    someone who wears his underpants on his head.'"
    (Terry Pratchett in "Maskerade")

  • Zitat von andreasw

    Mit H-Zulassung oder Oldtimer Versicherung darfst du nicht mal ne Kiste Bier mitnehmen!


    Hallo,
    ich gebe Sierra recht. Habe selbst ein H-Kennzeichen an meinem Schlepper. Für die Versicherung zählt der sogar nur als Zugmaschine, trotz H-Kennzeichen.
    Für eine Oldtimer-Kaskoversicherung benötigst du ein Wertgutachten, in dem dein Fahrzeug in eine Zustandsstufe eingruppiert wird.
    Das wird bei Oldtimer- Pkw / LKW in der Regel angewendet und ist halt wirklich nur für die Kasko-Versicherung. Das lohnt sich bei einem Schlepper nicht.
    Mit dem H-Kennzeichen kannst du lediglich ein paar Einschränkungen (Umweltzone, usw) umgehen. Dies wurde hier im Forum auch schon mehrfach unter einem anderen Thema angesprochen.
    Beim H-Kennzeichen bezahlst du einen festen Steuersatz, unabhängig vom Hubraum oder Verbrennungsmotor. 191,00€ verlangt der Zoll (hab ja eins). Muss man selbst abwägen, ob schwarze Nummer oder H-Kennzeichen besser kommt.
    Ich denke auch, das du dich nach einem Deutz der unteren D-Reihe (D25, D30) umschauhen solltest.
    So ein Deutz 2-Zylinder hat für deine Bedürfnisse genügend Kraft und klingt auch noch gut. Das erhöht den Spaßfaktor ungemein, bei den Spritztouren.
    Ersatzteile gibt es reichlich, auch gute gebrauchte oder aufgearbeitete. Die Technik ist simpel. Da kann sich jeder dran versuchen (auch wenn man kein Fachmann ist), wenn mal etwas Pflege nötig ist.
    Wenn du ein Objekt der Begierde gefunden hast, nimm am besten einen Freunf/Bekannten mit, der mit so etwas schon mal was zu tun hatte. Oder Frag mal bei einem Treckerclub in deiner Nähe nach, ob dich nicht jemand bei der Begutachtung unterstützen könnte. In der Regel gibt es in den Treckerclubs nicht nur "Fahrer" sondern auch "Schrauber". Die helfen eigentlich gerne, wenn´s um dieses Thema geht. Damit ersparst du dir böse Überaschungen, die einiges an Geld kosten können.
    Viel Erfolg beim Suchen.

    Gruß Frank


    Mein Eicher ist ein Teil der Familie.


    Eicher ED22 (Bj 1955)

  • Hallo zusammen,


    wir driften zwar von der eigentlichen Frage ab, aber das Thema Führerschein scheint ja für Verwirrung zu sorgen.
    ich habe heute mal bei zwei Fahrschulen angerufen und bei der örtlichen Polizei nachgefragt: Einhellige Meinung war, dass Klasse L gilt, egal ob Vollerwerbgslandwirt oder nicht, wenn das Fahrzeug unter 40km/h und landwirtschaftlich/forstwirtschaftlich genutzt wird. Meine Frage ob es explizit gilt wenn ich hobbymäßig auf meine Wiesen fahre oder im Wald Holz mache sagten alle drei, dass dem so sei. Aber eben nicht wenn man mit dem Schlepper zum Supermarkt fährt.


    Zurück zur Ursprungsfrage: Wo empfehlt ihr zu schauen/zu kaufen. Ebay Kleinanzeigen, Traktorpool oder gibt es Landmaschinenhändler für so alte Schlepper?VG