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Claas Columbus - ein grüner Silberfisch in meiner Werkstatt

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    Ja warum eigentlich grüner Silberfisch?
    Weil man den Claas Columbus eher in silber kennt, aber meiner nun mal in Saatengrün ist. Aber der Reihe nach.


    Vielleicht kennt ihr das: Es begann eigentlich ganz harmlos. Irgendwann hatte ich einem Freund mal so nebenbei erzählt, das mich so ein Claas Columbus fasziniert. Tja und dann kam eine Mail von ihm mit einer Anfrage eines Columbus-Besitzers, ob er jemand wüsste, der seinen Mähdrescher haben wolle. Also schrieb ich zurück und es stellte sich heraus, das die Maschine rein zufällig in der Richtung lag, in der wir auch Urlaub machen wollten. Also los gefahren und einen Zwischenstopp beim Besitzer gemacht.

    Und da stand er! Der kleine Columbus im Saatengrünen-Kleid.



    Baujahr 1967, der Zustand war sehr gepflegt und er stand immer im trockenen. Wellen, Hebel und Riemen waren noch gut in Schuss. Aber der kleine Käfermotor wollte leider nicht anspringen. Er stand ein paar Jahre, da war sicherlich der Vergaser verstopft bzw. verharzt, war so mein erster Gedanke.


    Wie dem auch sei, ich bat um Bedenkzeit.

    Nach ein paar schlaflosen Nächten wieder daheim, rief ich den Besitzer an und wir wurden uns einig. Es wurde ein Transport organisiert und der Columbus wurde
    350km über die Autobahn, vom hügeligen Weinland an der Mosel in Richtung Norden in die Platte Südheide gebracht.



    Jetzt steht er hier und darf sich erstmal an sein neues Heim gewöhnen. Die ersten Mähaufträge für den nächsten Sommer stehen schon und wir freuen uns darauf ihn in Aktion zu sehen.


    In der Zwischenzeit wurde der Motor zum Laufen gebracht . Es war nicht nur der Vergaser, sondern auch noch das Zündgeschirr und die Zündkerzen. Hierzu aber später mehr.


    Aber nochmal zu der Frage, warum ist er den jetzt grün und nicht Silber?

    Nach meinem Wissenstand wurde der Claas Columbus von 1958 bis 1970 gebaut. Anfänglich eben in dem Silber und ab 1966 in dem besagten Saatengrün.


    Fortsetzung folgt...



    Grüße aus dem Norden

    Uwe

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  • Moin Uwe,


    einen schönen kleinen Columbus hast du dir da an Land gezogen ich hoffe er bleibt in diesen schönen Originalzustand und freue mich schon auf den ersten Einsatz. Die Eicher übernehmen dann sicher die Getreideabfuhr.

    Gruß. Torben


    Der Bauer träumt - oh Herr der Fendt ein guter Eicher wär !


    Massey Ferguson 3630 Xtra, Eicher 3048, Eicher EKL 15/II, Eicher ES 202.

    Einmal editiert, zuletzt von Eicher 3048 ()

  • Moin,


    danke für die vielen positiven Rückmeldungen!


    Hier nun der kleine Käfermotor oder VW Industriemotor 126A. Luftgekühlt, 1600ccm Hubraum und stolze 38PS (nicht 50PS wie ich ursprüglich dachte). Der Vergaser ist von Solex 28 VFIS (Fehlt auf diesem Bild) mit Drehzahlregelung. Ein robuster Vierzylinder, der milionenfach gebaut und in vielen Maschinen als Antrieb diente. Zum Beispiel in Feuerwehrpumpen, Notstromaggregate, Kompressoren und in Mähdreschern. Nicht zu vergessen, im Käfer natürlich auch.



    Wie schon am Anfang erwähnt, der kleine Käfermotor wollte nicht anspringen. Der Columbus wurde mit Hilfe eines Traktors entladen und unter das Dach geschoben. Und dann begann die Suche.

    Zuerst die Kontrolle der Kraftstoffzufuhr. Also Zuleitung am Vergaser ab und tatsächlich, es kam kein Kraftstoff. Ein Filterwechsel durchgeführt und die Leitungen durchgepustet. Jetzt musste etwas kommen... Fehlanzeige! War evtl. die Pumpe defekt? Beim Aufschrauben bröselte schon die Dichtung und die Membrane aus dem Gehäuse. Kein Problem, dachte ich, neue Teile bestellt und wieder zusammen gebaut. Trööt, leider war es nicht so einfach. Es gibt zwar noch Einzelteile, sind aber rar und teuer. Es musste leider eine neue Pumpe her. Die ist 1/4 günstiger als die Einzelteile.

    Einen Tag später konnte die Pumpe schon eingebaut werden. Jetzt sollte es klappen... wieder nicht.

    Also recherchieren und viel telefonieren, überall der gleiche Tenor: das muss so gehen! Auf das Naheliegenste kam ich erst nicht. Warum nicht da nachfragen, wo der Motor her kam: dierekt beim Hersteller VW? (ist doch eigentlich logisch). Man konnte mir da tatsächlich weiter helfen.

    Was ich nicht wusste, die Pumpe ist nicht selbst ansaugend. Da konnte ich lange orgeln. Hinter der mechanischen Pumpe wurde eine elektrische Pumpe angeschlossen und somit die Leitung entlüftet. Sie wurde wieder ausgebaut und der Schlauch an den Vergaser angeschlossen. Motor gestartet und nun förderte die Pumpe einwandfrei... nur der Motor startete nicht.

    Vergaser kontrolliert: etwas Schmodder in der Schwimmerkammer -> vorsichtig gereinigt. Eine komplette Reinigung sollte später nachgeholt werden, jetzt sollte der Motor erst einmal starten. Naja, ihr könnt es euch sicherlich inzwischen vorstellen. Zumindest roch jetzt der Motor wenigstens nach Kraftstoff... aber er startete nicht.

    Als nächstes ging es an die Zündung. Zündkerzen, Zündkabel und Zündverteiler kontrolliert. Soweit in Ordnung. Dann die Zündkerzen an Masse gehalten, Zündkabel angesteckt und Motor gestartet - tada ein Zündfunke.

    Was soll ich sagen... der Motor wollte immer noch nicht.

    Ich begann so langsam zu zweifeln. Ein Käfermotor springt immer an! Heißt es eigentlich. Vielleicht wusste das mein Käfermotor nicht.

    Noch tiefer in die Materie: Ventilspiel geprüft: passt 0,10mm. Zündzeitpunkt: passt auch.

    Das ist dann so ein Punkt, in dem man sich ein Hocker holt und vor den Motor setzt um zu grübeln... oder Schraubenschlüssel durch die Werkstatt wirft. Ich habe mich für den Hocker entschieden.

    Darauf hin hab ich mir die Zündleitungen etwas näher angeschaut. Äußerlich alles in Ordnung, Widerstandsmessung auch in Ordnung.

    Aber dann: ein Belastungstest zeigte es. Die Zündkerze wird in einem Druckraum eingeschraubt, der wiederum mit Druckluft beaufschlagt wird. Kein Zündfunke. Zündkabel ersetzt und dann kam ein Funke. Trotz der Widerstandsmessung, die eigentlich aussagte, dass das Kabel nicht defekt war. Hochspannung ist ein Thema für sich. Hinzu kommt ein 6 Volt Bordnetz, das nicht wirklich Leistung erbringen kann.

    Durch Unterstützung von Freunden, einem Ladegerät und Streicheleinheiten machte es endlich Wrrrrrrrrrrrummm.

    Er lief ..... und ich tanzte wie Rumpelstilzchen um den Columbus.

    Was das eigentliche Problem war, hat er mir bis heute nicht verraten ;)


    Fortsetzung folgt...


    PS1: Vergessen darf ich auf jeden Fall nicht die Freunde und Famile, die mich mit Rat und Tat unterstützt haben! Danke!


    PS2: Torben : Na klar, das ganze luftgekühlte Programm ist dann dabei ;)

    Willi : Komme gern irgendwann darauf zurück.

    @all: Danke



    Grüße aus dem lüftgekühlten Norden

    Uwe

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  • Hi Uwe,


    ich hab mir den Beitrag gleich zweimal durchgelesen. Macht Spass - schön geschrieben und keinen der Rückschläge verheimlicht. Genau so läuft es in der Praxis! Der von dir beschriebenen Moment "Hocker oder Schraubenschlüssel" passt wie Faust aufs Auge. Wer das noch nicht erlebt hat, hat noch nicht richtig geschraubt.

    Und noch was: Ich hab - ganz vorsichtig ausgedrückt - eine gewisse Abneigung gegen sogenannte "Motoren" mit Zündkerzen. Wenn ich mir den Beitrag von dir so durchlese bleibt es wohl auch dabei :vogel:


    Weiter so!

    Viele Grüße


    Eicher EKL15/II
    Eicher 3085 mit FH Synchron
    Eicher 3???


    Machen wir uns nichts vor: Saugmotoren haben leider keine Turbolader...

  • Servus,


    schön zu lesen, das du einen alten Claas herrichtest :-)

    ... falls dir etwas spezielles fehlt, (Spezialwerkzeuge, Riemen...) schreib mir einfach mal.. es ist noch vieles aus unserer Werkstattauflösung vorhanden.

    Mein Vater hat in seiner Jugend als Landmaschinenmechaniker Meister bei uns im Umkreis, die Landwirte an damals neuen "Dreschmaschinen" angelernt.

    Den Dichtungssatz hätte ich auch noch gehabt :-)


    Hier die alte Leuchtreklame :-)


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  • Moin,


    ich gebe mir Mühe :)


    3085 : Falsches Brennverfahren :)? Aber immerhin Luft gekühlt ;)

    @ -Z-: super, hab Dir schon einen kleinen Wunschzettel zugeschickt.


    Es geht, wenn auch langsam, weiter. Der Vergaser macht gerade einen Freischwimmer im Ultraschallbad, aber später dazu mehr.

    Was mir noch fehlt, vielleicht kann mir da jemand weiter helfen, ist die Art der Befetigung des Bowdenzuges am Vergaser. Wie sah das original aus?


    Grüße aus dem bewölkten Norden

    Uwe

  • Moin,


    Freischwimmer bestanden... im Ultraschallbad!


    Aber von vorn. Der Motor lief bereits nach ein paar Reparaturen (und Rückschlägen). Aber noch nicht so, wie er sollte. Der kleine Käfermotor läuft noch nicht ganz rund. Wenn die Drehzahl erhöt wird, verschluckt er sich oder geht aus. Das kann natürlich mehrere Ursachen haben aber irgendwo muss man ja anfangen. Tja und da hatte ich den Vergaser im Auge. Ein Solex 28VFIS. Er ist eigentlich relativ simpel aufgebaut. Also z.B. keine Starterautomatik. Zum Starten hat er nur eine Choke-Klappe, die vom Fahrerstand manuell betätigt wird. Eine Beschleunigungspumpe wird man ebenfalls vergeblich suchen. Die brauch er nicht, da er eigentlich immer in einer erhöhten Drehzahl gefahren wird.

    Interessant aber ist die Drehzahlregelung. Das kann der kleine Käfermotor selber (Er ist schon ein großer Kleiner) . Die Drehzahl wird mit einem kleinem Handgashebel verändert. Eigentlich gibt es nur zwei Stellungen. Leerlauf und vollgas. Den Rest erledigt der Drehzahlregler (den kann man leider auf diesem Foto nicht sehen, aber das Gestänge im Hintergrund). D.h, je nach Last wird die Drehzahl erhöht oder reduziert. Ist nur ein wenig ungewohnt, wenn man ein wenig gas gibt und der Käfermotor los brüllt auf 3000U/min. Im Vordergrund kann man noch das Leerlaufabschaltventil erkennen. Ist schon etwas komfortabler der Gute.


    Hier ist das kleine Kerlchen:



    Hier zwei Bilder vom Zerlegen. Ich hatte ihn etwas vorgereinigt aber wie man sieht, es ist noch ein hartnäckiger Schmodder auf und im Vergaser:



    Und hier nach der Reinigung im Ultraschallbad:



    Etwas vom Innenleben; das Mischrohr, Gemischrohrträger, Leerlaufgemischregulierschraube und Verschlussschraube für die Hauptdüse nach der Reinigung:


    Auf den Düsen hatte sich Grünspan sowie ebenfalls Schmodder angesammelt und hat die Bohrungen verstopft, bzw den Durchmesser verändert.

    Das war viel Arbeit. Denn einfach eintunken in das Ultraschallbad reichte nicht. Es musste noch einiges nachgeputzt werden. Hartnäckiger böser Schmodder!


    Zusammen gebaut ist der Vergaser nocht nicht aber das sollte bald passieren :) Und dann kann er wieder die 38PS voll entfalten...


    Grüße aus dem Norden

    Uwe