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Benzinstart/Summerzündung am Bulldog.

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    Wie funktioniert eigentlich so ein Benzinstart mit Summerzündung bei einem Glühkopfmotor?


    Eine Summerzündung macht ja einen Permanenten Funken, bbzw. mehrere Funken in ganz kurzen abständen.
    Und der Benzin wird dann einfach eingespritzt?
    Vergaser kann ja nicht gehen, da der Funken ja immer da ist.


    Konnte im Internet leider nichts genaueres dazu finden. Kann das jemand erklären... ist sicherlich ein Interessantes Start-Ritual.


    Gruß Jakob

  • Der Summer wird nur für den Bezinstart betätigt, funktioniert dann so wie von dir beschrieben. Wenn auf Diesel umgestellt wird, wird der Summer aus gestellt.

    Schöne Grüße,
    Rainer


    Lanz 7506 Allzweck ('49)
    Lanz 7506 Holzgasrückbau ('42)
    Lanz 1706 Halbdiesel ('55)

  • Hallo Jakob,


    Vor der Kraftstoffpumpe ist ein Hahn angebracht, der einen Zufluss von Benzin zur Pumpe ermöglicht. Das Benzin zum starten und abstellen des Motors wird somit durch die gleiche Einspritzdüse in den Brennraum eingespritzt wie die Betriebskraftstoffe.


    Im Armaturenbrett ist ein Summerschalter mit Glühlämpchen, damit der Fahrer nicht vergißt ihn auszuschalten. Bei laufendem Motor hört man den "Summer" nur noch schwach. Der Summerschalter wird gedreht. Dann fließt Strom zur Zündspule die an der Zündkerze einen permanenten Zündfunken erzeugt. Jetzt wird mit einem Vorpumphebel die Krafststoffpumpe manuel betätigt, solange bis genügend Benzinnebel im Brennraum ist. Wird nun der Kolben gegen OT gedreht gelangt das Benzinluftgemisch an den Dauerfunken, entzündet sich, wird Gasförmig, verbrennt vollends und das heiße Gas drückt den Kolben Richtung UT. Durch die hohe Schwungmasse dreht der Motor jetzt über den oberen Totpunkt, der Motor spritzt das Benzin selber ein und läuft weiter, im kalten Zustand aber nur unter Vollgasstellung. Beim Kaltstart schwankt die Motordrehzal zunächst sehr stark von Leerlauf bis Höchstdrehzahl. Durch die innere Verbrennung erwärmt sich der Glühkopf von innen her immer mehr, solange bis er glüht. Was sonst mit der Heizlampe von außen künstlich erzeugt werden muss. Die zunehmende Temperatur des Glühkopfes merkt man an dem immer kleiner werdenden Drehzahlschwankungen des Motors, die jetzt eher Richtung Vollgas tendieren. Schon bevor der Motor restlos auf Vollgas läuft, der Glühkopf also seine Betriebstemperarur erreicht hat, kann auf den Betriebskraftstoff umgeschaltet werden. Dies ist Übungs- und Gefühlssache. Vor dem Abstellen ist es ratsam, wieder auf Benzin umzuschalten, solange bis Benzin eingespritzt wird. Man hört dies auch am Klang des Motors und beim Gasgeben an der veränderten Lastannahme. Somit ist der nächste Benzinstart vorbereitet. Generell kann man den Motor im warmen Zustand auch mit Benzin abstellen, indem man den Motor auf Leerlaufdrehzahl laufen läßt, auf Benzin umschaltet und den Motor von alleine "verhungern" läßt. Dies hat aber den Nachteil, dass die Zündkerze stärker verkokt. Ratsam ist es, auch beim abstellen den Summer einzuschalten, damit sich die Zündkerze reinigen kann. Dazu muss der Motor aber nicht wie beim Kaltstart auf Vollgas laufen, es reicht auch hier die Leerlaufdrehzahl. 3 bis 5 Minuten vor dem Abstellen ist ausreichend.


    Gruß Gordon

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  • Hallo,


    Vielen Dank für die Tolle Erklärung :thumbs:


    aber läuft der Motor mit dem Benzinstart nicht sehr "hart"?


    So weit ich weiß, verbrent Benzin ja schneller, bzw. so zu sagen aggresiver als Diesel, oder verwechsel ich das jetzt ein bisschen mit was anderem?


    Ein Kollege, der eine Lanz hat, meinte nämlich, dass er den Bulldog nicht mit Benzin starten möchte, das es schlecht für den Motor sei.
    Anscheinend machen das sonst auch fast keine Glühkopf-Besitzer. Selbst auf Youtube findet man keine Videos zu dem Thema....


    Gruß Jakob

  • Hallo,


    In dem Video hört man schön wie der Motor auf Enddrehzahl geht und dann wieder abfällt bis Leerlaufdrehzahl. Leider macht der Bediener den Fehler und stellt das Handgas zurück, wodurch der Motor dann schließlich wieder stehen bleibt. In der Anlaßphase beim Benzinstart funktioniert nur Vollgas, damit sich der Motor bei Leerlaufdrehzahl wieder "fangen" und wieder bis Höchstdrehzahl "hoch gehen" kann.


    "Sehr hart" läuft der Motor nicht damit. Der Klang ist etwas kerniger. Bei zuviel vorgepumpten Benzin kann es zur Fehlzündung kommen. Man sollte das mit dem Lenkradstart also sehr gut beherrschen oder eine Handanwerfscheibe haben, die fest mit der Kurbelwelle verbunden ist. Aber auch hier gilt rechtzeitiges loslassen. Noch besser ist dann der Start mit dem Pendelanlasser, den es auch für die Ackerluft-Glühkopfbulldog wenige Jahre vor Produktionsende als teure Sonderausstattung gab. Aber der kann auch mal defekt sein oder die Batterie leer. Auf den Höfen der 50 er Jahre war ein Ladegerät nicht wirklich Standard und die Batterien selbst kann man nicht mit der Leistungsfähigkeit heutiger Akkus vergleichen. Wir selbst haben im Jahr zwei Batteiren für unseren Bulldog gebraucht. Und die waren damals nicht billig. Bei den späteren, modernen Glühkopfmotoren mit erhöhter Verdichtung und Direkteinspritzung , wie z.B. beim D1706 reicht es aus, wenn man den Kolben vor OT dreht, die Zündung einschaltet und dann solange Benzin mit dem Handhebel einspritzt bis der Motor von selbst zündet und die Kurbelwelle in Drehung versetzt. Beim Handstart durch Anwerfen muss man wie gesagt rechtzeitig die Anwerfscheibe loslassen, sonst liegt man unter´m Bulldog. So, wíe´s unserm Nachbar mal ergangen ist.


    Dem Motor selbst macht der Benzinstart gar nicht aus. Lediglich die Einspritzpumpe leidet unter Mangel an Schmierung, wenn auf reinem Benzin gestartet wird. Daher wird dem Benzin einfach ein wenig Diesel beigemengt im Verhältnis Benzin- Diesel 3 zu 1 oder man gibt etwas Öl in das Benzin im Mischungsverhältnis 20 zu 1. Beim mischen mit Diesel muss man aufpassen, dass nicht zuviel Diesel im Benzin landet, weil sonst ein sicherer Start mit Zündkerze nicht mehr gewährleistet ist.


    Der Benzinstart ist bei Glühkopfbulldog heutzutage deswegen so unbeliebt, weil es nicht so Publikumswirksam ist, als wenn man wie ein Drachenbezwinger mit einer fauchenden Heizlampe um das Ungetüm herumstolziert. :D


    Gruß Gordon

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  • Zitat von Rohölzünder

    ...mit dem Pendelanlasser, den es auch für die Ackerluft-Glühkopfbulldog wenige Jahre vor Produktionsende als teure Sonderausstattung gab.


    Die Benzinanlassvorrichtung in Verbindung mit einem elektrischen Anlasser gab es schon vor dem zweiten Weltkrieg.



    Zitat von Rohölzünder


    Daher wird dem Benzin einfach ein wenig Diesel beigemengt im Verhältnis Benzin- Diesel 3 zu 1 oder man gibt etwas Öl in das Benzin im Mischungsverhältnis 20 zu 1. Beim mischen mit Diesel muss man aufpassen, dass nicht zuviel Diesel im Benzin landet, weil sonst ein sicherer Start mit Zündkerze nicht mehr gewährleistet ist.


    Unser 1706 startet mit einem 1:1-Benzin-Dieselgemisch problemlos und läuft nach 1-2 Minuten rund. Und selbst das Vergessen des rechtzeitigen Umstellens auf Benzin vor dem Ausstellen verzeiht dieser 1706... er springt sogar mit Summer und Diesel an!


    Gruiß, Hendrik

  • Hallo Hendrik,


    Ja, die Ausrüstung mit elektrischer Anlaßzündung und Anlasser gab es auch schon vor dem Krieg für die Eilbulldog. Diese hatten aber einen 24 Volt Anlasser, der kein Pendelanlasser war. Der 12 Volt Pendelanlasser kam meines Wissens nach erst nach dem Krieg. Bei welchen Ackerluftbulldog gab es den Anlasserstart denn schon vor dem Krieg? Ist mir keiner bekannt. Meinst Du eventuell den D4506 Bauernbulldog?


    Die späteren D1706 und D2206 hatten eine höhere Verdichtung. Wir haben ein sehr frühes Exemplar. Bei uns klappt gerade noch so 2 drittel Benzin, ein drittel Diesel. Es gibt auch verschiedene Betriebsanleitungen für diese Bulldog, wo unterschiedliche Mischungsverhältnisse angegeben werden.


    Gruß Gordon

  • Das Prinzip des Benzinstarts wurde ja schon gut verständlich erklärt.
    Einzig was ich verbessern möchte wäre die angebliche erforderliche Vollgastellung des Gashebels - was nämlich nicht nötig ist.
    Wäre dem so, würde ich meinen Pampa mit Sicherheit nicht auf Benzin/Dieselgemisch starten um den kalten Bulldog gleich auf obere Drehzahl zu jubeln.


    Was von nöten ist, dass man etwas mehr Kraftstoff vorpumpen muss und auch das Handgas eine Raster höher stellt. Aber keineswegs richtung Vollgas.


    Bei eingeschalteter Zündkerze hört man ab u an beim vorpumpen auch schon ein "bong" aus dem Auspuff. Mit der Anwerfscheibe geht es gut mit dem hin u herpendeln.
    Läuft der Motor dann an regelt er nicht so schön wie beim Dieselstart mit angeheizter Glühnase.
    Trotzdem halten sich die Drehzahlschwankungen im Rahmen.
    Nach etwa 2 - 3 min kann man schon auf Diesel umstellen und die Zündspule noch etwas anlassen.
    Mit etwas Glück springt der Motor nach 5 Minuten Lauf sogar schon auf Diesel an.

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  • moin,

    Zitat

    Bei eingeschalteter Zündkerze hört man ab u an beim vorpumpen auch schon ein "bong" aus dem Auspuff.


    bei unserem Halbdiesel habe ich nach 20 Jahren Standzeit während des Reinigens einfach mal auf den Summerknopf gedrückt, irgendein alter Sott im Zylinder hat tatsächlich einmal gezündet.
    Da der Umschalthebel schon zu aktiven Zeiten nicht mehr ging, wurde dann ein 1:1-Gemisch aus Benzin und Diesel in die Leitungen und den Filter gefüllt, der Dieseltank jedoch mit reinem Diesel. Die Benzinmenge reichte problemlos für ein mehrmaliges Starten und das warmlaufen, bis sich der Regler wieder freigearbeitet hatte. Das Spritsystem ist natürlich vorher komplett auseinander gewesen und gesäubert worden.


    mfg
    GTfan

  • Hallo,


    Du hast auf den Summerknopf gedrückt? Also bei uns ist der zum drehen.


    Dieses bong aus dem Auspuff nennt sich bei uns "melden". Im ganzen Satz gesprochen heißt das, wenn wir den Bulldog starten wird solange Benzin vorgepumpt bis er sich meldet, also ca. 3 bis 10 Hübe. Bei uns klingt das aber eher wie "pfump", wenn er sich meldet. Dann weis der Bediener das genug Benzin drin ist. Je nach Kolbenstellung tritt das pfump früher oder später auf. Dann genügt ein kurzer Druck auf den Starterknopf und er springt beim ersten oder zweiten pendeln sofort an. Es geht auch mit weniger vorpumpen ohne pfump, aber das ist nicht so spektakulär...


    Gruß Gordon

  • moin Gordon,


    mit drehen hast du schon recht.
    Und deine Geräuschbeschreibung passt auch recht gut, wie es sich halt für einen kleinen HD gehört. Wie gesagt, das war während des Reinigens der Spritleitungen und der Einspritzpumpe, also ohne dass frischer Sprit in den Brennraum gekommen wäre. Was auch immer da noch war und dann gezündet hat...


    mfg
    GTfan

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  • Hallo zusammen,
    trotz des Videos von McSchoko stelle ich einfach mal die Frage, ob nicht jemand Lust hat, so einen Benzinstart bei nem Glühkopf mal komplett zu filmen und das Video online zu stellen. Es gibt zwar Millionen Videos vom Lenkradstart eines Glühkopfs, aber fast keines (außer McSchoko's ist mir zumindest noch keins über den Weg gelaufen) von Benzinstarts.
    Ich hatte bisher auch nur einmal die Gelegenheit so einen Benzinstart "life" zu erleben und fand das durchaus auch sehenswert. Mein 3 Tonnen-Briefbeschwerer kann das leider in absehbarer Zeit noch nicht :lol:


    Grüße,
    Squeegee

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