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Nach Hochglanz kommt Patina: Ein AP17 der anderen Art

  • Hallo zusammen,

    die frisch beklebten Bremsbacken sind wieder da




    Also sogleich an die Montage, denn langsam drängt die Zeit. Während die Fußbremsen wie immer recht schnell und einfach montiert werden können, war die Handbremse wie schon bei der Demontage ein ziemliches Gefummel. Aber es ist geschafft:





    Nun noch die Trommeln ausdrehen, dann kann das Rad wieder drauf.





    Ach ja halt, bevor die Räder drauf können, müssen ja erstmal die Felgen lackiert werden.
    Mit der Drahtbürste auf der Flex habe ich die neuen alten Felgen von losem Rost und Dreck befreit. Danach gings in die Lackierwerkstatt....Erinnerungen werden wach. Wer den Bericht über meinen anderen AP17 verfolgt hat, weiß warum :)

    Die Felgen nochmals fein angepadded und entfettet. Nun liegen sie erstmal im Eck, nächste Woche werden sie lackiert.



    Wer auf der ersten Seite genau hingeschaut hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass nicht nur die hinteren Felgen nicht ganz dem Prospektbild von 1950 entsprechen, sondern auch die vorderen nicht. Montiert waren da die gängigen 16"-Käferfelgen. Mit entsprechender Bereifung streift der Reifen dann bei vollem Einschlag aber nicht nur an der Frontverkleidung, sondern dellt diese sogar ein. Eine auf original gemachte 15"-Felge mit schmaler Bereifung soll Abhilfe schaffen. Ich bin schon gespannt.
    Auf dem Bild seht ihr jedenfalls die noch rohe Felge. Mein Dank dafür geht an meinen AP17-Kollegen Thomas!

    Ich bin sehr gespannt auf die fertigen Felgen! Gleichzeitig geht dann langsam die Arbeit aus...allmählich dürften auch die Kurbelwellen fertig werden beim Instandsetzer....

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  • Weiter gehts, blos keine Zeit verlieren:

    Teil I der Reifenmontage:



    Das lasse ich immer bequem auf der Maschine machen. Zum einen sind die alten Felgen oft recht weich am Felgenhorn und verbiegen dann gerne, zum anderen hasse ich diese Arbeit einfach. Geschont wurde der neue Lack allerdings nicht, denn der darf ruhig Gebrauchsspuren kriegen, damit wieder Patina entsteht. Vielleicht helfe ich auch noch künstlich dabei nach, aber das ist dann Feintuning, von dem ich noch weit entfernt bin.





    Wer jetzt denkt, die beiden Räder und Kotflügel waren im Handumdrehen montiert, der täuscht sich. Die Kotflügel waren leider etwas verbogen. Dazu kommt, dass einer der Vorbesitzer einst zwischen Kotflügel und den originalen Distanzrohren auf den Bolzen zusätzliche Distanzstücke verbaut hatte. Das auch noch in verschiedenen Dicken, sodass die Bleche schräg nach vorne zuliefen. Welchen Anlass es dazu gab, kann ich nur raten:

    - Entweder er ist mit der Sitzschale auf den Kotflügeln angestanden. Zumindest ist an entsprechender Stelle kein Lack mehr auf dem Blech. Dass aber für entsprechend viel Platz die paar Milimeter der Distanzstücke reichen, kann ich mir nicht richtig vorstellen.
    - Oder die Hydraulik passt hinten nicht zufriedenstellend hinter die Kotflügel. Aber auch das kommt mir komisch vor, denn so wurde es original von Allgaier verkauft.

    Überprüfen kann ich meine beiden Thesen momentan nicht, da die Montage von beiden Teilen gerade noch nicht so einfach ist. Ich werde sehen...

    Nun bog ich die Kotflügel also mit einem Spanngurt grob in die richtige Richtung und montierte sie dann als sie endlich waagerecht standen ohne die gebastelten Distanzstücke.
    Danach folgte die Komplettierung des Bremsgestänges und der (wirklich minikleinen) Trittbleche. Letztere muss ich euch mal im Vergleich zu meinen Schuhen fotografieren :D

    Die Räder habe ich nur mit zwei Radmuttern befestigt, denn spätestens zum Verlegen der Elektrik müssen sie eh wieder ab.



    Ein schönes Bild, das mir Lust auf mehr gibt :love:

    Vor dem Feierabend habe ich die Vorgelege noch mit je einem Liter Öl befüllt. Nun mal schauen, was ich bis zum Erhalten der Motorenteile noch vorbereiten kann...

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  • Vielen Dank!

    Unten das Bild der Trittbleche mit meinem Schuh. Ich bekomme eigentlich kaum den Fuß zwischen Kotflügel und Getriebe. Scheinbar hatten die damals kleinere Füße :D



    Weiter ging es zunächst mit dem Putzen der schlammigen Motorenteile:



    Alles schön in Waschbenzin baden, dann hab ich beim Einbau nicht mehr ganz so schwarze Finger.
    Im Regal lief mir dann auch das alte Ausrücklager samt der Befestigungsfedern über den Weg. Also Zeit, das neue einzusetzen:





    Im Vergleich sieht man schön, dass das alte Lager nicht mehr viel "Fleisch" hatte.

    Schon seit Tagen steht das Lenkrad unter Spannung vom Abzieher, aber es will einfach nicht runter. Nachdem ich gestern erfolgreich und schnell das Lenkgetriebe eines anderen AP17 überholen konnte, machte ich mich doch erneut an das vom Schmalspur:



    Weil die Lenkradnabe leicht konisch ist außen, greift der Abzieher nicht. Darum habe ich aus 10mm-Blech eine Abziehhilfe gebaut. Den Abzieher neu angesetzt und neuer Versuch:



    Mit Schlüsselverlängerung und Montiereisen zum Gegenhalten hat es dann in ganz kleinen Schritten gewaltig gerumst....da war auf jeden Fall gut Spannung drauf. Gut zu sehen auch an dem Hilfsblech, dass trotz stattlicher Dicke einen Bogen wegbekommen hat:



    Das Lenkrad hat zum Glück alles unbeschadet überstanden und kommt natürlich auf die Seite bis zum Einbau.
    Jetzt möchte ich die Gelegenheit nutzen, euch das schöne Armaturenbrett der AP17 der ersten Serie zu zeigen:



    Beinahe kunstvoll mit eingegossenen Erklärungen der Instrumente bzw. Schalterstellungen ist das wohl eines der wenigen Stücke, die unverschandelt überlebt haben. Oft wurde zur Nachrüstung von Blinkerschalter und Kontrollleuchten unschön einfach mitten in den "Allgaier-Porsche" Schriftzug gebohrt. Der hier nachgerüstete Blinkerschalter wurde kaum auffalend in die vom nicht vorgesehenen Temperaturinstrument hinterlassene Lücke angebracht. Der Rest scheint mir original zu sein.
    Ein weiteres schönes Detail des Armaturenbretts ist das eingegossene Typenschild:



    Alle Werte sind eingegossen bis auf das Baujahr und die Seriennummer, die werden eingeschlagen. Hier passt die Seriennummer zum Schlepper, was mich vermuten lässt, dass das Lenkgetriebe original ist. Nicht selten wurde beim Defekt eines Lenkgetriebes einfach das komplette Bauteil mitsamt Armaturenbrett und Lenkrad getauscht.
    Nachdem das Lenkrad also ab war, konnte auch das Armaturenbrett nach oben von der Lenksäule gezogen werden.
    Dass die Lenkung bei der ersten Serie der AP17 eine bedeutende Schwachstelle war, ist nicht nur schon damals allen bekannt gewesen, sondern auch heute noch leicht zu erahnen, denn die zweite Serie der AP17 hat eine völlig andere Lenkung.
    Spielfreie Lenkgetriebe begegnen einem daher enorm selten und sind entweder schon überholt oder wirklich kaum im Einsatz gewesen. Dieses Lenkgetriebe ist besonders ausgenudelt, was sich im eingebauten Zustand durch eine knappe Lenkradumdrehung Spiel äußerte. Erklären kann ich mir das durch den Einsatz als Weinbergschlepper. Diese Wenden nicht nur sehr oft, sondern vermutlich auch wesentlich enger als Ackerschlepper....mal schauen, was mich im Getriebe erwartet:



    In erster Linie Karamellfett und Wasser...nicht gut. Die linke Schraube war lose, wodurch wohl das meiste Spiel verursacht wurde. Aber auch nach dem provisorischen Anziehen haben die Kugeln in der Spindel erschreckend viel Luft (nicht sichtbar) und auch die Lenkhebel in den Führungen des Gehäuses schlackern....das wars für heute.
    Hier muss zuerst Hitze wirken, bevor die Hebel aus dem Gehäuse wollen.

  • Dass wir Hitze benötigen würden, war mir ja klar. Aber was Marco und ich gestern durchgemacht haben bis unter anderem das Lenkgetriebe auseinander war, hat mit einfachem warm Machen nichts mehr zu tun. Aber von vorn:

    Nachdem ich selbst keine Möglichkeit zum professionellen Erhitzen habe, bot es sich an dafür Forumskollege und Kumpel Marco zu besuchen. Der Plan um 8 Uhr morgens war einfach:
    - 4x Reifen auf die vorderen Felgen aufziehen
    - 1x Kupplung (von dem anderen AP17) warm machen
    - 1x Lenkgetriebe warm machen und zerlegen
    - 1x Mähantriebswelle warm machen und zerlegen

    Die ersten beiden Programmpunkte waren im nu erledigt. Dann begannen die Qualen. Trotz mehreren Versuchen und letzlich viel Gewalt und glühender Hitze bewegten sich die beiden Lenkarme nur widerwillig aus dem Gehäuse. Dabei entstand auch dieses spektakuläre Bild:



    Letztendlich konnte der Kampf aber gewonnen werden.



    Aber noch viel größerer Sch**** war die Mähantriebswelle, die ich in Beitrag #8 kurz erwähnte. Um es kurz zu machen:







    In minikleinen Etappen mussten wir uns mit sämtlichen Tricks vorarbeiten. Bloße Hitze mit Gewalt brachten keinen Fortschritt. Mit der Zerstörung des Zahnrades kamen wir dem Ziel einen Schritt näher. Nun musste die Welle mit dem Schlagabzieher (aufgeschweißte Mutter) sehr widerwillig weichen. Zu guter Letzt wollten nicht einmal mehr die (bisher leicht gängigen) Lager aus ihren Sitzen kommen. Um 18 Uhr war die To-do-Liste dann endlich abgearbeitet. Ein riesen Dank geht an Marco, ohne den ich das wohl niemals geschafft hätte!

    Weitaus erfreulicher war da die Abholung der Motorenteile vom Instandsetzer:



    Die Kurbelwelle wurde aufs erste Untermaß geschliffen und die Zylinder gebohrt und gehont. Nun muss ich noch die Lagerschalen bestellen...

    Die weitere Demontage des Lenkgetriebes offenbarte heute morgen den tatsächlichen Grund des Verschleißes:



    Die neue Kugel oben hat deutlich mehr "Fleisch" als die verschlissene unten. Wie viele Lenkradumdrehungen wohl nötig sind bis so viel Material abgetragen ist?
    Nun muss ich mir überlegen, wie ich den Neuaufbau des Getriebes angreifen will. Dazu werde ich wohl den Rat von Kollegen Thomas einholen, der schon einige mehr dieser Lenkgetriebe überholt hat.

    Ein Nachtrag noch zum letzten Beitrag:
    Dieses Armaturenbrett ist wohl das verschandeltste, das mir bisher über den Weg gelaufen ist.





    Nun versteht ihr auch, warum ich heilfroh bin, dass am Brett vom Schmalspur noch keiner Hand angelegt hat.

    In den nächsten Tagen wird also der Zusammenbau der Motoren fokusiert.

    Fortsetzung folgt ;)

  • Weil mein Teilelieferant in Schweden noch Elche jagd diese Woche, muss ich mich bis zur Lieferung der Kurbelwellen- und Pleuellager mindestens bis Ende nächster Woche beschäftigen.
    Das ist allerdings gar kein Problem.

    Zunächst bereitete ich heute die beiden Motorhälften für den Zusammenbau vor und setzte Stößel, Nockenwelle, Drehzahlregler und die Ölschleuder ein.



    Da die Alugehäuse schön leicht sind, kann ich gemütlich auf der Werkbank schrauben und auch den halbwegs eingeräumten Block immer noch alleine tragen. Angenehm!
    Bevor ich mich den Eingeweiden widmete, drehte ich alle Stehbolzen in Dichtflächen heraus, bohrte die Gewinde nach, säuberte die Dichtflächen mit dem Akkuexzenterschleifer und feinem Sandpapier vorsichtig und setzte die Stehbolzen dann (wo nötig) mit Gewindedichtmasse wieder ein.



    Die nummerierten Stößel waren verschleißfrei und kommen ohne Bearbeitung zurück an ihren Platz.



    Schon beinahe dekorativ dieses Schaufelrad der Ölschleuder :)

    Obwohl das nur Kleinigkeiten waren, benötigte das pro Motor einen halben Tag. Die Zeit fliegt!

    Am Wochenende konnte ich sehr spontan ein Winkelgetriebe mit Riemenscheibe von einem AP17 ergattern. Eigentlich habe ich davon mehr als genug, aber halt keines mit brauchbarer Patina, die sich nahtlos ins Gesamtbild des Schmalspurs einfügen würde.
    Ich gebe zu, zunächst sah das (hier schon teilweise zerlegte) Getriebe auch nicht so sehr nach orange und Patina aus, sondern eher nach grün-rot und viel Öldreck:



    Um alles neu abzudichten zerlege ich das Getriebe komplett:



    Die Riemenscheibe wird nicht mehr benötigt, da sie den Hubstreben im Weg wären. An ihrer Stelle wird ein Blinddeckel das Gehäuse verschließen.
    Mit Spachtel, Stechbeitel, Bremsenreiniger und Tüchern befreite ich die Überreste des Originallacks in ewiger mühevoller Arbeit. Aber das Ergebnis lohnt sich:



    Den abgerissenen Hebel habe ich aus der Muffe ausgebohrt und einen neuen Hebel eingesetzt. Mit ihm wird die Zapfwelle ein- und ausgeschalten.

    Bis auf Kleinigkeiten und weitere Putzarbeiten bin ich nun bereit für die Lagerschalen...fragt sich nur was die Elche in Schweden machen :D

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