Ein Zwerg mit Riesenkräften - Eicher ES 201

  • ..... so oder so ähnlich stand`s damals auf und im Prospekt des kleinen Puma`s. Was Anfang der 60er Jahre wohl doch stimmen sollte. Knapp 2 Liter Hubraum aus 2 Töpfen, 28 leistungsstarke, sparsame Pferdchen, ein Getriebe vom Spitzenhersteller. Und das alles auf 2,3m Länge und 1,2t Kampfgewicht. Klein, kompakt und doch ganz groß....


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    Quelle:https://watzeels.nl/project-type/smalspoortrekkers/


    Aber jetzt mal zum eigentlichen Grund des Threads;


    Wie einige bestimmt mitbekommen haben, hat sich der User wink von seinem erst kürzlich erstandenen Scheunenfund (denke man darfs`so nennen) getrennt. Da er mich netterweise gefragt hat, ob ich Interesse hab, wurden wir uns nach ner kurzen Besichtigung recht schnell einig und der kleine kam eine Woche drauf dann in meine Obhut, was ihm anscheinend recht gut gefiel, da er sich gleich mal mit den anderen Raubtieren und Hubraumboliden aus Forstern angefreundet hat.


    Hier mal der Urzustand, frisch vom Hänger gerollt


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    Die erste Bestandsaufnahme folgte kurz darauf.


    Fehlteile


    Es fehlten augenscheinlich keine nicht wiederbeschaffbaren Teile


    - Unterlenker
    - Hubzylinder f. Heckhydr.
    - Halter für Hubzylinder Heckhydr.
    - Rückleuchten samt Halter
    - Frontporta
    -Riemenschutz am Motor/Lichtmaschine


    und noch ettliche Kleinteile, welche aber auch kein Risiko darstellen sollten.


    Das eigentliche Problem sind da eher die hinteren Felgen, sowie der linke Kotflügel.


    In Christoph`s Thread kann man schon lesen, dass die originalen Felgen bis auf den Felgenstern nichtmehr zu gebrauchen sind, da sie total durchrostet sind. Zudem hat sich mal irgendwer am linken Kotflügel mit der Flex verirrt, anscheinend war der Schmalspur doch mal zu breit.



    Was mir aber tierisch unter den Nägeln brannte, war der Zustand des Motors... er lief beim Kauf nicht, zudem stand er ja 15 (+) Jahre. Kurz darauf jedoch nach reinigen der Kraftstoffanlage, Filterwechsel und kurzem entlüften (ja die Handpumpe funktioniert und ist sogar dicht) dann aber die Gewissheit -> weißer Rauch im Hof und ein sanftes Eichertypisches klackern war zu vernehmen. Er lief und zu meinem erstaunen sehr sauber und leise, zumindest im Stand. Bei abgenommenen Ventildeckeln und angeschlossenem Öldruckmanometer dann noch eine zweite Gewissheit, Öldruck und Menge sollten ebenfalls passen. Nur der Rauch störte, das Problem war aber nach dem Ausbau der Einspritzdüsen recht schnell gefunden:


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    Die Einstellplättchen hatten sich verdünnisiert, bzw. bezweifle ich, dass das nur Plättchen waren. Im diesem Zuge wurden die Düsenstöcke dann komplett zerlegt und durften ne halbe Stunde im Ultraschallbad schwimmen. Bei den Düsen selbst wurde kurzer Prozess gemacht, alt raus neu rein. Es waren noch Kugelfischer Düsen verbaut, was dann das etwaiige Alter vermuten lässt. Die neuen Düsen (BOSCH DN0SD137) liegen schon bereit, ich komme aber aktuell nicht zum Abdrücken/Einstellen.


    Da ja die Düsen eh ausgebaut waren, hatte ich freie Bahn für den Kompressionstest. Also Koffer aus dem Schrank geholt, Düsenlöcher gereinigt und Sitze überprüft, Adapter mit Kupferring eingesetzt, Spannpratze drauf und... halt. Es wäre evtl. sinnvoll, das Ventilspiel noch zu kontrollieren. Also diese auf 0,15 eingestellt, dabei noch bemerkt das an einem Kipphebel die Passscheibe samt Sicherungsring fehlte. Diese auch gleich aus dem Teilelager geholt und verbaut. Nun die Stunde der Wahrheit


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    26 bar auf beiden Töpfen, kalt. Ein erleichtertes seufzen war von allen anwesenden Personen zu vernehmen. Immerhin eine Baustelle die nicht allzu Zeitintensiv werden sollte. Außer einem großen Kosmetik- und Wartungsprogramm sollte der Motor vorerst nichts bekommen.


    Aber bevor es hier weiter geht, musste als aller erstes mal der Schandfleck schlechthin verschwinden...der selbst zusammengebruzelte Haufen Sch***e... alias Fronthydraulik bzw. Vorderachskiller. Dazu aber später mehr.


    Nach ner halben Stunde Flex und Vorschlaghammer sah der kleine dann wieder nach Schmalspur aus


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    Die Hydraulikpumpe samt Leitungen und Bedienkonsole wurde ebenfalls gleich demontiert und ins Lager verbannt.


    Weiter gehen wirds demnächst mit der kompletten Vorderachse, so arbeiten wir uns dann Stück für Stück von vorne nach hinten durch.


    Bis dahin


    Mfg Tobi

    „Der Bauer träumt – wenn doch oh Herr, mein Fendt ein guter Eicher wär!“

  • Hallo Tobi,
    es freut mich, dass ich mich an deinen Bericht in Bälde anhängen kann. 8)
    Eine Bitte dazu:
    kannst was machen, damit die Bilder dargestellt werden? Ich sehe nur das rotierende 'Sonnenlicht'.
    ...und gerade beim Restaurieren sprechen Bilder mehr als tausend Worte.


    Liebe Grüße,
    Sam

  • Zitat von Sam67

    Eine Bitte dazu:
    kannst was machen, damit die Bilder dargestellt werden? Ich sehe nur das rotierende 'Sonnenlicht'.
    ...und gerade beim Restaurieren sprechen Bilder mehr als tausend Worte.


    Servus Sam, bei mir werden die Bilder sauber dargestellt, muss an deinem PC/Handy liegen.
    Gruß
    Heinrich

  • Komisch, das muss wohl ein Filter in unserer Firmeninstallation sein. Es geht bei mir weder im IE noch im firefox.
    ...wichtig ist es, dass ich daheim die Bilder sehen kann.


    Danke für den Hinweis!
    Liebe Grüße,
    Sam

  • So, Sonntag -> Berichttag.....


    Es ging schonmal gut vorann am Kraftzwerg.


    Bezug des Quartiers aus eigener Kraft...und das fast rauchfrei. Glaub ich könnte mir noch 3-4 davon reinstellen :mrgreen:


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    Dann mal dem Blechkleid entledigt. Das kommt jetzt erstmal auf die Seite, Technik zuerst :wink:


    [Blockierte Grafik: https://www.bilder-upload.eu/upload/d5f875-1541337439.jpg]


    Das die größte Baustelle an der Kiste mal demontiert... bin mal gespannt, was für Überraschungen die Vorderachse noch so bringt.


    [Blockierte Grafik: https://www.bilder-upload.eu/upload/dfda47-1541337645.jpg]


    Erster Blick ins Getriebe... und gleich mal den Grund dafür entdeckt, weshalb der 5./6. Gang nicht einzulegen ging.... vermutlich wurde der kleine als "selbstfahrende Arbeitsmaschine" deklariert, braucht somit bei km/h Begrenzung keine "richtige" Zulassung.


    [Blockierte Grafik: https://www.bilder-upload.eu/upload/31247e-1541337887.jpg]


    Dann mal den Grund für knirschende Gänge und losem Pedal auf den Grund gegangen... Ausrücklager kurz vor der Schmelzgrenze :mrgreen:


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    Und der Aktuelle Stand nach knapp 1,5h Schrauberei....


    [Blockierte Grafik: https://www.bilder-upload.eu/upload/406a17-1541338211.jpg]


    Zum Schluss noch den Cappuccino aus dem Getriebe abgelassen. Immerhin war der Wasseranteil verschwindend gering. :roll:


    [Blockierte Grafik: https://www.bilder-upload.eu/upload/a97f21-1541338298.jpg]



    Als nächstes wird das Getriebe noch von den Achstrichtern und der Glocke befreit. Danach Step bei Step alles mal durchgearbeitet. Der Winter kommt bestimmt. :bauer:




    Achja, die Woche kam was aus Ganacker, folglich sollte die AG80 "Anleitung" auch bald weiter gehen...


    Mfg Tobi

    „Der Bauer träumt – wenn doch oh Herr, mein Fendt ein guter Eicher wär!“

  • Hi,
    Jaaaa, so ein 201 er ist rel . Schnell zerlegt , das der 6. gang gesperrt ist, ist natürlich klasse, so ist ist da schonmal kein verschleiss .
    Ich schätze ja mal das du das Getriebe von Nadellager auf Buchse umbauen wirst?


    Gruß Markus

    Meine Eicher :
    Eicher Tiger 2 EM 235 mit FL (restauriert)
    Königstiger 2 (3015) in Restauration
    Eicher 3072 TURBO im Original Zustand
    Eicher G 400
    Eicher ES 201
    Eicher ES 400
    Eichus Stapler
    Eicher 3251 HS



    Eicher war gut, ist gut ,
    und bleibt weiterhin gut !

  • Zitat von Eicher-driver

    Hi,
    Jaaaa, so ein 201 er ist rel . Schnell zerlegt , das der 6. gang gesperrt ist, ist natürlich klasse, so ist ist da schonmal kein verschleiss .
    Ich schätze ja mal das du das Getriebe von Nadellager auf Buchse umbauen wirst?


    Gruß Markus



    Denke mal das an dem kleinen, so wie bei allen anderen meiner Kisten keine Schraube unberührt bleiben wird... und auf Buchse umbauen ist hier selbstverständlich.


    Mfg Tobi

    „Der Bauer träumt – wenn doch oh Herr, mein Fendt ein guter Eicher wär!“

  • Aktueller Zwischenstand


    [Blockierte Grafik: https://www.bilder-upload.eu/upload/b5b219-1541786640.jpg]



    Die Zahnräder sehen allesamt noch recht gut aus, zwar benutzt aber durchaus brauchbar. Ich werde nur das Doppelschaltrad des Rückwärtsganges ersetzen, da wurde anscheinend viel im noch vorwärts rollenden Zustand der Rückwärtsgang reingerissen....


    [Blockierte Grafik: https://www.bilder-upload.eu/upload/9b22af-1541786846.jpg]



    Und hier der Hauptgrund, wieso unbedingt (!!!!!) von Nadellager auf Buchse umgebaut werden sollte...


    [Blockierte Grafik: https://www.bilder-upload.eu/upload/33bc28-1541787045.jpg]


    Jetzt bin ich erstmal ne Zeit mit Teile waschen beschäftigt. Lager sind schon so ziemlich alle samt Wellendichtringen und Sicherungsringen auf dem Weg.


    Mfg Tobi

    „Der Bauer träumt – wenn doch oh Herr, mein Fendt ein guter Eicher wär!“

  • Sehr interessanter Bericht über die Restaurierung! Die Eicher waren bei uns in der Pfalz zu Beginn der ´70er erste Wahl. In Frankweiler a.d. Deutschen Weinstr. wurden die Serien Schmalspur Eicher nochmals angepasst, heisst verkleinert. Bekannt unter dem Namen Zickler-Eicher waren die Radstände nochmals verkürzt um in den engen Wingertstücken und Zeilen umherfahren zu können. Der Landmaschinenhändler Zickler der die damalige Eichergebietsvertretung inne hatte nutzte seine geschäftliche Verbindung und baute Eichertraktoren in Kleinserie auf die örtlichen Gegebenheiten um. Den Landmaschinenhändler gibt es heute noch! Leider ohne Eichervertretung...


    MfG Wolfgang Ellerwald

    HANOMAG - zuverläßiger, kräftiger, stärker den je !

  • Servus Tobi,
    klasse Restauration-Dokumentation, weiter so.


    Zitat von womag

    Die Eicher waren bei uns in der Pfalz zu Beginn der ´70er erste Wahl. MfG Wolfgang Ellerwald


    Jou Wolfgang, aber ein "paar" Krieger gibt es in der Pfalz auch :wink:
    Gruß
    Heinrich

  • Moin,


    Getriebe sieht echt so von den Bildern echt noch top aus , ich musste bei meinem aus 3-1 machen ...
    Guck dir die Achstrichter gut an, die Gehäuse bekommen gerne mal risse .



    Ich hab gestern das wohl letzte Teil zum strahlen gebracht - die Haube . ( hab ich schon komplett geschweisst und gerichtet) . Die sollte ich montag wiederholen könne und dann geht die direkt zum lackieren. Somit neigt sich meine restauration allmählich ( gott sei dank) nach über 2 jahre dem ende . Ich kann hier mal ein Bild posten, wenn vom themenstarter gewünscht.


    Bin in jedem fall auf die weiteren Fortschritte gespannt .


    Gruß Markus

    Meine Eicher :
    Eicher Tiger 2 EM 235 mit FL (restauriert)
    Königstiger 2 (3015) in Restauration
    Eicher 3072 TURBO im Original Zustand
    Eicher G 400
    Eicher ES 201
    Eicher ES 400
    Eichus Stapler
    Eicher 3251 HS



    Eicher war gut, ist gut ,
    und bleibt weiterhin gut !

  • So, nach gefühlten 100 Stunden und 3 Päckchen Einmal-Gummihandschuhen war dan das Getriebegehäuse gereinigt, alle Gewinde nachgeschnitten und auch die ganzen Innereien hatten ne Frischekur bekommen...


    [Blockierte Grafik: https://www.bilder-upload.eu/upload/0f5dee-1541919993.jpg]


    [Blockierte Grafik: https://www.bilder-upload.eu/upload/8b25cc-1541920178.jpg]


    Nun gings ans genaue Begutachten:



    Da hat wohl das ausgeleierte Kupplungspedal alle Arbeit geleistet. Werde es außen plan drehen und ne Scheibe in der richtigen Stärke anfertigen.


    [Blockierte Grafik: https://www.bilder-upload.eu/upload/5eda4c-1541920278.jpg]


    Beim Abpressen der Zahnräder dann noch ne nette Entdeckung gemacht


    [Blockierte Grafik: https://www.bilder-upload.eu/upload/7eb3f7-1541920113.jpg]



    Die Altmetallsammlung wächst und wächst :mrgreen:


    [Blockierte Grafik: https://www.bilder-upload.eu/upload/9c6f70-1541920098.jpg]



    Wie schon erwähnt sind die Lager etc. bereits auf dem Weg, werde nächste Woche dann noch in Ganacker bestellen (Büchse Getriebeeingang und ein paar weitere Kleinigkeiten), sodass ich die Geschichte Getriebe relativ schnell fertigstellen und auf die Seite stellen kann.


    Achja Markus, du darfst gerne ein Bild hier einstellen und Danke für den Tipp mit den Achstrichtern, ich hab die nach der Waschmaschine schon etwas genauer begutachtet, hab aber gottseidank keine Risse gefunden. Hast du mal geguckt wegen dem Riemenschutz etc.?


    Mfg Tobi

    „Der Bauer träumt – wenn doch oh Herr, mein Fendt ein guter Eicher wär!“

  • Klasse Bericht.


    Vielen Dank für die investierten Mühen, die nicht nur durch die Instandsetzung per se, sondern auch schlussendlich durchs Einstellen entstehen :D:!:


    Weiterhin viel Fortune.

    Gruß, Falko
    JD X165 (2012) - JD 5055e (2011) - JD 212 (1979) - JD 110 (1966) - Energic 511 (1956) - MH Pony (1952) - JD B (1938) - JD E (1931) - JD GP (1928)
    Es gilt das © für meine Bilder!
    John Deere Freunde Deutschland.

  • Guten Abend zusammen,
    ich freue mich auch als Puma Besitzer sehr über den Bericht und bin gespannt wie es weiter geht.
    Leider bekomme ich auch keine Bilder angezeigt auf Handy, Lappie, oder anderen Medien. Mal schauen wie sich die Sicherheitsstandards umgehen lassen.


    Viel Erfolg und bitte informiere uns weiterhin.


    Viele Grüße